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Bildgebung und Zelldynamik als Grundlagen: Medizinische Fakultät richtet ihre Forschungsschwerpunkte neu aus

Neu zugeschnitten und eng verzahnt: die künftigen Forschungsschwerpunkte in schematischer Darstellung

Münster (mfm/tb) - Das Bessere ist der Feind des Guten – dieses bekannte Sprichwort hat auch die Medizinische Fakultät zur Maxime ihres Handels gemacht. Obgleich Rankings der Fakultät immer wieder hervorragende Leistungen in Forschung und Lehre bescheinigen, arbeitet das Dekanat an einer Vielzahl von Baustellen. Das kann teils wörtlich verstanden werden – wie beim Neubau des Forschungsgebäudes „MedForCe“ – oder auch konzeptionell, so bei der Einrichtung eines neues Typs von Professur, der „Clinical Translationial Professorship“ (CTP). Jüngstes Beispiel ist nun die Neuausrichtung der Forschungsschwerpunkte - eine Weichenstellung mit großer Tragweite.
Im Frühjahr hatte das Dekanat sein lange vorbereitetes Konzept in einer Strategiesitzung zur Diskussion gestellt und breite Zustimmung erhalten. Nachdem der Fachbereichsrat den Plänen offiziell zugestimmt hat, beginnt nun dessen Umsetzung. In einem Interview erläutert Dekan Prof. Wilhelm Schmitz die Hintergründe des strategischen „Umbaus“.
Herr Dekan, die bisherigen Schwerpunkten existieren bereits seit über fünfzehn Jahren. Warum werden sie nun geändert? Fehlte es an Erfolg?
Schmitz: Keineswegs. Die Antwort schwingt bereits in der Frage mit. In den Schwerpunkten wurde und wird eine exzellente Arbeit geleistet; sie haben sich daher zu „Wahrzeichen“ des Standortes entwickelt. Aber die Medizinische Forschung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gravierend verändert. An diesen Prozess passen wir die Schwerpunkte nun an.
Was heißt das konkret?
Schmitz: Nehmen wir zum Beispiel die Bildgebung. Dieses Thema ist in der Forschung allgemein immer bedeutsamer geworden - und für Münster quasi zu einem Aushängeschild. Bei der Einwerbung des Exzellenzclusters „Cells in Motion“ könnten wir diese Stärke ausspielen. Das neue Konzept veranschaulicht die zentrale Rolle der Bildgebung als Klammer und – zusammen mit dem Bereich Zelldynamik – als Fundament der Schwerpunkte.
Welche „Forschungsphilosophie“ steht hinter der Reform?
Schmitz: Der Ansatz lautet zusammengefasst: „Von der Grundlage zur Erkrankung und zur Therapie“. Die einzelnen Schwerpunkte verstehen wir dabei als forschungsgetriebenen Zusammenschluss von Wissenschaftlern in einem Forschungsverbund, motiviert durch gemeinsame wissenschaftliche Themen und Ziele. Darin sind sie vergleichbar einem Sonderforschungsbereich.
Als willkommenen Nebeneffekt schafft die Neuausrichtung mehr Profilschärfe für unseren Standort: Mit dem Ansatz, die vorhandenen exzellenten Expertisen von Medizinischer Fakultät, Universitätsklinikum, Max-Planck-Institut und naturwissenschaftlichen Fakultäten zu bündeln, hebt sich Münster deutlich ab von anderen universitären Medizinstandorten, die auf fächer- oder krankheitsorientierte Modelle setzen.
Worin sehen Sie den größten Vorteil des neuen Konzeptes?
Schmitz: Darin, dass die Schwerpunkte künftig noch stärker miteinander verzahnt sein werden. So erfahren die drei anderen Schwerpunkte eine deutliche Vernetzung mit „Entzündung und Infektion“, was insbesondere durch die Projekte und Projektleiter im Sonderforschungsbereich 1009 zum Ausdruck kommt.
Diese engere Verzahnung gilt im Übrigen auch in Richtung Krankenversorgung: Die Schwerpunkte in der Forschung waren ja zugleich immer auch solche in der Behandlung. Die neuen CTP-Professuren werden als Scharniere zwischen Grundlagenforschung und klinischer Forschung fungieren. Sie gewährleisten, dass neue Erkenntnisse schnell in die Krankenversorgung eingehen und umgekehrt neue Fragestellungen auch schnell in die Klinische Forschung.
Das Interview führte Dr. Thomas Bauer.

Die neuen Forschungsschwerpunkte im Überblick
Der Schwerpunkt Entzündung und Infektion hat in Münster eine lange und erfolgreiche Tradition. Er ist durch seine Forschungsverbünde (SFB, Graduiertenkollegs, etc.) interdisziplinär und interfakultär integrativ wirksam – und umfasst sowohl die Grundlagenforschung als auch die klinische Forschung. Außerdem bündelt er immunologische Expertise (Autoimmunerkrankungen, Allergien, Infektionsabwehr, Infektionen inklusive deren Erreger und Pathogenitätsmechanismen) bis hin zur Therapie.
Im Bereich Vaskuläres System werden vaskuläre Veränderungen wie Arteriosklerose und Vaskulitiden bis hin zu Organfolgeschäden inklusive Veränderungen des Myokards selbst erforscht. Veränderungen der Myokardzelle bis hin zur Myokardinsuffizienz und Arhythmien sind inhaltlich in diesem Schwerpunkt verankert.
Der Schwerpunkt Neurale Systeme umfasst die Grundlagen von der Funktion von Ionenkanälen und Signalmolekülen bis hin zu entzündlichen Erkrankungen wie Multiple Sklerose. Auch Mechanismen von Furcht, Angst und Angsterkrankungen sowie weitere psychiatrische und psychotherapeutische Aspekte werden hier erforscht.
Zum Forschungsschwerpunkt Zelldifferenzierung, Regeneration und Neoplasie gehören die Stammzellforschung, die Biologie und Pathologie der Reproduktion sowie die Zellendifferenzierung und die Entstehung und Therapiemöglichkeiten von Tumoren.