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Brücke über 4.400 Kilometer - und viele Grenzen: Ausstellung zeigt deutsch-iranische Kooperationen in der Medizin-Forschung

Prof. Ali Gorji, Dr. Mohammad Etezad Razavi (Studiendekan der Universität Masshad) , Amir Hossein Gharibnejad (Leiter Kulturbüro der Iranischen Botschaft), Prof. Sven Meuth und Dekan Prof. Mathias Herrmann bei der Eröffnung der Ausstellung (Foto: FZ / Marschalkowski)

Ungewohntes Bild im Lehrgebäude der Medizinischen Fakultät: Für vier Tage verwandelt sich die dortige „Agora“ in einen Ausstellungsraum (Foto: FZ / Marschalkowski)

Schon vor der offiziellen Eröffnung fand die Ausstellung erste Interessenten (Foto: FZ / Marschalkowski)

Münster (mfm/sm) – Was assoziieren Deutsche mit der Republik Iran? Die einen vielleicht strenge Traditionen und eine fremde Kultur, andere auch Konflikte und schwierige Beziehungen. Münstersche Neurowissenschaftler dagegen verbinden mit dem islamischen Land vor allem gemeinsame Forschung und fachliche Zusammenarbeit. Denn zwischen dem Institut für Translationale Neurologie der Universität Münster und der iranischen Universität in Mashhad besteht schon seit 1996 eine gut gepflegte Kooperation. Hieraus ist auch die Idee für eine Ausstellung entstanden, die vom 20. bis 23. März 2018 in Münster läuft und – wie der Titel schon sagt – die „Deutsch-iranische Geschichte der wissenschaftlichen Kooperationen“ beleuchtet. Für die Auftaktveranstaltung haben sich bei den münsterschen Initiatoren Prof. Sven Meuth und Prof. Ali Gorji hochkarätige Gäste aus Politik und Wissenschaft angekündigt.

Die viertägige Ausstellung über gegenwärtige und vergangene Forschungskooperationen hält zum Auftakt Fachvorträge und Poster, aber auch persönliche Berichte deutscher und iranischer Austauschstudenten für geladene Gäste bereit. An den folgenden Tagen ist sie für jeden Interessenten offen: „Wir freuen uns, diese bundesweit bisher einzigartige Veranstaltung realisieren zu können. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen, egal ob aus der Wissenschaft oder nicht, auf die Zusammenarbeit aufmerksam zu machen. Bei dem Gedanken an Iran haben viele Menschen bestimmte Bilder im Kopf, wie die Unterdrückung der Frau im Berufsleben und auch in der Forschung. Da wollen wir im Sinne einer differenzierteren Sicht gegensteuern, denn längst ist auch dort die Moderne eingezogen“, so Prof. Sven Meuth, Direktor des gastgebenden Instituts für Translationale Neurologie.

Die Forscher zeigen beispielsweise eine Bilderstrecke zu ihren bisherigen Aufenthalten in Mashhad und den gemeinsamen Projekten: „Neben dem Fachlichen ist uns auch der kulturelle Austausch sehr wichtig. Bei unserem letzten Aufenthalt in Mashhad haben wir nach der Arbeit im Labor mit den iranischen Kollegen eine berühmte Pilgerstätte, den Imam-Reza-Schrein besucht. Mit den Fotos wollen wir den Besuchern Land und Leute näherbringen und gleichzeitig für die andere Kultur sensibilisieren“, erklärt Arzt Gorji, ebenfalls Mitarbeiter der münsterschen Klinik. Er stammt selbst aus der Islamischen Republik, forscht seit 1996 in Münster und war vor über zwei Jahrzehnten der Initiator der Kooperationsbemühungen zwischen beiden Universitäten.

Die Ausstellung ist Teil eines vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) geförderten Projekts, das Gorji und Meuth ins Leben gerufen haben. Für die Zukunft wünschen sie sich, dass deutschlandweit noch weitere Projekte und Kooperationen dieser Art entstehen: „Eine gute Basis wurde durch eine neue Erklärung beider Länder gelegt, die wir angestoßen haben. Die Bildungsministerien beider Länder sagen darin zu, Kooperationen in der Gesundheitsforschung und medizinischen Ausbildung auszubauen“, freut sich Gorji. „Die Ausstellung soll auch ein weiteres positives Zeichen an die Politik und andere Verantwortliche senden“, so Meuth, „denn wir sehen, dass unser Austausch Früchte trägt. Der Nutzen liegt auf beiden Seiten – fachlich wie kulturell.“ Mit Zusagen beispielsweise von einem Gesandten der iranischen Botschaft in Berlin sowie einer Delegation aus hochrangigen Wissenschaftlern und Politikern aus dem Iran haben die Veranstalter dafür ein vielversprechendes Publikum gewonnen.

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