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Therapie bei Trauma: Parkinson-Medikament L-DOPA hilft gegen die Angst

Prof. Hans-Christian Pape, Sprecher des Sonderforschungsbereiches SFB-TRR 58 (Foto: FZ/Thomas)

Münster (mfm/tw) - Wenn die Angst zurückkehrt: Durch eine Expositionstherapie lernen Patienten, mit ihrer Angststörung umzugehen – trotzdem ist die Rückfallrate relativ hoch. In der Therapie werden die Patienten kontrolliert mit den angstauslösenden Stimuli und Erinnerungen konfrontiert. Dadurch lernen sie, die Angst zu unterdrücken; im Alltag können diese Strategien versagen. In einer interdisziplinären Studie haben Wissenschaftler aus Münster, Hamburg, Mainz und Innsbruck nun herausgefunden, dass ein Parkinson-Medikament die Rückkehr von Angstattacken eindämmen kann.
„Die Expositionstherapie bewirkt zwar ein Umlernen“, erläutert Professor Dr. Hans-Christian Pape vom Institut für Physiologie I (Neurophysiologie) der Uni Münster – „allerdings wird das Furchtgedächtnis, die Erinnerung an die angstauslösenden Einflüsse, dabei nicht gelöscht. Stattdessen bilden die Patienten in der Therapie eine Art Sicherheitsgedächtnis aus, das die bisher zwangläufige Wirkung des angstauslösenden Reizes außer Kraft setzt durch zusätzliche Erinnerungen, die in diesen Situationen aktiv werden.“ Diese Erinnerungen sind aber kontextabhängig. Was im Therapiezusammenhang funktioniert, kann außerhalb scheitern: „Wenn die Betroffenen den Reizen im Alltag begegnen, können die die alten Angsterinnerungen wieder aufflammen.“
Pape ist Sprecher des transregionalen Sonderforschungsbereiches (SFB-TRR 58) „Furcht, Angst, Angsterkrankungen“. In ihren Arbeiten haben die Wissenschaftler nun einen Ansatz für eine Verbesserung der Therapie gefunden: Die Aminosäure Levodopa (L-DOPA), die vor allem als Parkinson-Medikament eingesetzt wird, kann die Bindung der Erinnerungen an den Therapiezusammenhang mindern – und sie damit im Alltag wirksamer machen. In Versuchen funktionierte das bei Mäusen und Menschen. „Levodopa ist eine Vorstufe des Neurotransmitters Dopamin, der Gedächtnisprozesse beeinflusst“, so Pape. Levodopa wird im Gehirn zu Dopamin verstoffwechselt. „Eine nur einmalige Gabe während der Expositionssitzungen beeinflusst die Hirnaktivität in angstrelevanten Regionen“. So wird die Amygdala, ein für die Entstehung von Angst wichtiges Gebiet in der Tiefe des Gehirns, durch die Levodopa-Gabe in Konfrontationssituationen weniger aktiv. Aktiver ist dagegen der ventromediale präfrontale Cortex des Stirnhirns, der unter anderem für die Ausbildung des Sicherheitsgedächtnisses und für die Unterdrückung der emotionalen Reaktionen wichtig ist.
„Nur durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit im SFB konnten diese Ergebnisse erzielt werden“, so Pape. Die verhaltensbiologische und physiologische Expertise brachte vor allem Dr. Stefano Gaburro aus dem Institut für Physiologie I der Uni Münster ein. Die Ergebnisse resultieren aus Studien mit Mäusen und Menschen, in denen Furchtgedächtnis und Sicherheitsgedächtnis gezielt trainiert wurden. „Nun werden weitere Studien zur Wirkung von L-DOPA wichtig sein, um eine Anwendung in Angstpatienten vorzubereiten“, so Pape. Die Tatsache, dass L-DOPA ein gebräuchliches Medikament ist, dürfte diesen Schritt erleichtern.
Der SFB-TRR 58 wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) seit Mitte 2008 gefördert. Die Sprecherhochschule ist die Universität Münster, außerdem sind Forscher aus Hamburg, Mainz und Innsbruck beteiligt. In der zweiten Förderperiode, die Anfang dieses Jahres begonnen hat und bis Juni 2016 läuft, stellt die DFG insgesamt rund zehn Millionen Euro bereit; davon fließen vier Millionen Euro nach Münster. Ziel der Wissenschaftler ist es, die neurobiologischen und genetischen Grundlagen von Furcht, Angst und Angsterkrankungen zu verstehen. Die aktuellen Forschungsergebnisse zu L-DOPA wurden in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht.

Link zur Studie

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